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Ich habe die folgenden Zeilen ein bisschen für mich und ein bisschen für Xandi an seinem 2. Geburtstag geschrieben, um mich bewusst an die besonderen Stunden seiner Geburt zu erinnern und auf ein Thema aufmerksam zu machen, das von vielen belächelt und gar nicht erst wahrgenommen wird.
Weiter unten gibt es, wie versprochen, noch einige Impressionen von Xandi’s lustiger Geburtstagssause letzten Sonntag.

4.4.2014. 5.30 Uhr. Der Wecker läutet. Ich hasse diese Art von Melodie und an normalen Tagen ist es meine erste Challenge, die Snooze-Taste so schnell wie möglich zu erwischen, damit Maxi davon nicht geweckt wird .
An diesem Tag ist alles anders. Ich sitze hellwach im Bett. Mein Herz klopft. Alles ruhig. Ich wünsche mir insgeheim ganz fest, dass die Fruchtblase springt. Dass er sich bemerkbar macht. Aus dem Bauch raus will. Nichts. Heute ist er nicht zu spüren. Er schläft und lässt sich durch absolut nichts aus der Ruhe bringen. Auch nicht durch mich.
Das einzige, was ich spüre, ist ein flauer Magen. Dieses Gefühl von Ungewissheit und Angst. Gut, dass ich heute nüchtern sein muss – ich würde keinen Bissen runterbekommen. Auf dem Weg ins Krankenhaus stelle ich mir vor, wie er wohl aussehen wird (und ich werde vier Stunden später sehr überrascht sein).

Ich bin in der 38. Schwangerschaftswoche und werde heute zum zweiten mal Mama.
Um 7.00 Uhr habe ich für die Voruntersuchungen zu erscheinen, um 8.15 Uhr soll ich planmäßig in den OP-Saal geschoben werden.
Nach Maxi’s Geburt mit stundenlangen Schmerzen und anschließendem Notkaiserschnitt wurde mir von den Ärzten nahegelegt, bei dieser Schwangerschaft unbedingt einen geplanten Kaiserschnitt vorzuziehen. Okay – mit dieser Entscheidung bin ich auf der sicheren Seite. Ich brauche mich nicht mehr gegen eine mürrische Hebamme und eine unqualifizierte Ärztin durchsetzen. Ich muss nicht mehr beweisen, dass etwas nicht stimmt und mich dabei so hilflos fühlen. Außerdem: Heute ist alles live. Heute werde ich nicht „ausgeknocked“ und darf erst viel später – nach dem Aufwachen – mein Baby in den Armen halten. Oh nein, heute ist alles anders: auch ICH höre seinen ersten Schrei und habe endlich ein Geburtserlebnis, das mir niemand mehr nehmen kann.

Trotzdem: der Wunsch nach der normalen Geburt ist allgegenwärtig und ich hoffe bis zum Schluss, dass er von selber raus will und alles plötzlich ganz schnell geht und ein Kaiserschnitt doch nicht notwendig ist.

Es kam nicht dazu.

Um 10.16 Uhr hörten wir den ersten Schrei. Ich war Zeuge seiner Geburt und neben meinem Mann und den Ärzten eine der ersten Personen, die ihn berührte und auf dieser Welt in Empfang nahm. Alles, was ich beim ersten Mal versäumt hatte, konnte ich endlich nachholen und mir so ein Stück Mama sein zurückholen.

Ich hatte nicht gedacht, dass ich dieses Gefühl von bedingungsloser Liebe und Glückseligkeit je noch einmal in einer so unglaublichen Stärke spüren werde.
Da war es wieder und heilte alle meine Wunden.

Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich dieses Erlebnis so dringend brauchte, um mit dem ersten Kaiserschnitt abschließen zu können.
Ich wurde bestärkt, als ich einen berührenden Artikel in der Huffington Post las und bemerkte, dass es nicht nur mir so ging. Viele Frauen leiden (unbewusst und völlig verdrängt) nach einem Kaiserschnitt unter Komplexen. Wegen einer Narbe oder „zu wenig erbrachter Leistung“.

Heute bin dankbar über zwei gesunde Kinder und eine große Narbe, die mich jeden Tag daran erinnert, eine glückliche Mama sein zu können.

 

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